„Bürgerenergie ist für mich die Möglichkeit, selbst an der Energiewende teilzunehmen."

Conducr-TEAM

conductr ist eine B2B-Plattform für die Energiebranche, die Netzanschluss- und Genehmigungsprozesse digitalisiert und damit Projektentwicklern, Installationsbetrieben und Planungsbüros Zeit und Abstimmungsaufwand spart. Ziel ist es, die administrative Seite der Energiewende so zu vereinfachen, dass dezentrale Energieprojekte schneller ans Netz kommen.

Für alle, die conductr noch nicht kennen: Was genau ist conductr und was macht ihr ganz konkret?

Wir sind das Realisierungsnetzwerk für den kooperativen Netzanschluss. “Kooperativ” deshalb, weil wir im Markt aktuell feststellen, dass wir alle mit dem Finger aufeinander zeigen und gleichzeitig zu wenig miteinander ins Gespräch gehen. Der Netzanschlussprozess von erneuerbaren Erzeugungsanlagen und Speichersystemen ist sehr komplex. Es bedarf einer Vielzahl von Genehmigungen und Zertifikaten, bis man eine Anlage tatsächlich anschließen darf, und auf diesem Weg findet Kommunikation statt, zwischen Sachverständigen, Projektentwicklern und Netzbetreibern. Diese Kommunikation geht über viele Kanäle hinweg und ist größtenteils stark manuell ausgeprägt. Als conductr vereinfachen wir das und stellen dafür die digitale Plattform mit Netzwerkansatz bereit. Dadurch sparen alle Beteiligten Nerven und Zeit und können sich mit weiteren Projekten oder anderen Themen beschäftigen.

„Gleichzeitig ist der Mensch in seiner Arbeitsumgebung auch ein wichtiger Faktor.

Wo siehst du aktuell die größten Hürden, wenn es darum geht, Projekte im Bereich erneuerbare Energien schneller und besser umzusetzen?

Tatsächlich genau im Bereich Netzanschluss. Es kommt ständig zu Verzögerungen innerhalb dieses Prozesses, weil zum Beispiel die falschen oder veraltete Daten vorliegen. Weiterhin haben wir ja alle mitbekommen, dass es kaum freie Netzanschlusskapazitäten gibt und dass Netzbetreiber deswegen nun allmählich auf das Reifegradverfahren umstellen – zumindest auf hohen Spannungsebenen. Das bedeutet: Je eher jemand alle Zertifikate und Gutachten beisammen hat, umso “reifer” ist das Projekt und desto wahrscheinlicher wird eine Anschlusszusage durch den Netzbetreiber.

Victoria von Conductr

Victoria Ulbricht

Victoria Ulbricht ist CMO von conductr und bringt rund zehn Jahre Erfahrung aus der Energiebranche mit. Im Interview spricht sie darüber, wie conductr Genehmigungs- und Netzanschlussprozesse einfacher machen will und warum digitale Lösungen ein wichtiger Hebel für mehr Tempo in der Energiewende sind.

Welche Rolle können digitale Plattformen und KI dabei spielen, die Energiewende in der Praxis wirklich voranzubringen?

Genau dieselbe Rolle, die sie auch in anderen Branchen spielen: Sie müssen als Werkzeug klug genutzt werden können. Warum soll ich denn als Projektentwickler ständig dieselben Anlagendaten eingeben, nur weil ich verschiedene Zertifikate und Genehmigungen brauche? Diese redundanten Aufgaben oder auch die Fehlerprüfung kann uns KI abnehmen oder zumindest Vorschläge machen, ähnlich wie es etwa in Kanzleien bereits geschieht
Grundsätzlich gilt: Wenn ich einen Prozess von A bis Z digitalisiere und die Beteiligten auf ihrem Weg durch den Prozess hindurch begleite, dann erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass er einschließlich aller Datenpunkte auf die richtige Art und Weise abgeschlossen werden kann.

Was bedeutet Bürgerenergie für dich persönlich – und warum ist sie für die Energiewende so wichtig?


Bürgerenergie ist für mich die Möglichkeit, selbst an der Energiewende teilzunehmen. Und zwar ganz aktiv inkl. Rendite. Diese Option bedeutet, dass die Wertschöpfung, die dadurch entsteht, in die Kommune hinein getragen werden kann und Erneuerbare Energie zur logischen Konsequenz wird. Bürgernah, als gewichtige zweite Säule neben den vornehmlich von Versorgungsunternehmen geplanten Anlagen.

Wenn du einen Wunsch frei hättest: Was müsste sich in den nächsten zwei bis drei Jahren verändern, damit gute Energieprojekte deutlich schneller Realität werden?


Wir brauchen viel stabilere politische Rahmenbedingungen, um nach dem Festlegen von ambitionierten Energie- und Klimazielen auch tatsächlich daran feszuthalten und die dafür notwendigen Maßnahmen weiter vorantreiben zu können. Ein ständiger Strategiewechsel – getrieben durch kurzfristige Interessen und Wähler:innen gunst, populistische Aussagen und Festhalten an traditionellen Branchen –  bremst uns aus. Gleichzeitig ist der Mensch in seiner Arbeitsumgebung auch ein wichtiger Faktor. In Fragen der KI-Nutzung und Digitalisierung steht uns insbesondere in Deutschland allzu oft noch die Gewohnheit mit etablierten, aber vergleichsweise ineffizienten Arbeitsweisen im Weg. 

Gemeinsam die Transformation meistern! Gemeinsam davon profitieren.

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